Klönschnack#2 “Wembley & Kiel Sprat”: Facebook, #Postprivacy und Netzkultur!

KielspratWembley

Kiel Sprat: In den letzten Tagen habe ich in den Zeitungen und in den Printmedien schon wieder so viel über Facebook gelesen.

Wembley: Jaaaaa, Börsengang! Die werden alle schweinereich, hätte man früher aufspringen können. Kauf‘ Dir bloß keine Aktien nach Börsengang, viel zu wackelig. Bankaktien solltest…

Kiel Sprat: HALLO, ich will keine Facebook-Aktien und ich will auch keine Finanzberatung. Das meinte ich auch gar nicht. Ich wollte eigentlich auf die alte Datenschutzdebatte hinaus.

Wembley: Ööööde, langweilig, abgedroschen!

Kiel Sprat: Wart‘ ‘mal ab, Du Sack. Du weißt gar nicht was ich will. Ich sag‘ gar nichts gegen Jugendmedienschutz, Erziehung zur Medienkompetenz, was auch immer das konkret bedeutet, und präventive Sensibilisierung mit sozialen Netzwerken bei jungen Menschen.

Wembley: Hörst sich super an – auswendig gelernt? Du klingst so hochgestochen, ich kotz‘ gleich.

Kiel Sprat: Jetzt halt doch mal die Klappe. Also noch einmal für die geistig Zurückgebliebenen hier im Raum. Ich wollte nur bei meinem Punkt klarstellen, dass ich die jungen Menschen explizit ausnehme. Mein Punkt ist: Alle regen sich wieder über die große Datenkrake „Facebook“ auf. Meine Frage lautet: Facebook stellt ein umfängliches Tool zu Verfügung, dass bei nahezu einer Milliarde Menschen Anklang findet. Es fließt kein Euro und kein Dollar der Nutzer/innen für diese Dienstleistung. Facebook nutzt die Daten zur Generierung des Unternehmensgewinns. Ist das nicht legitim – halt einfach eine andere Währung – Daten statt Kohle?

Wembley: Ey, Du jetzt FDP und so? Freiheit für alle, jeder kümmere sich um sich selbst, Staat zieht sich zurück. Du Westerwilly!

Kiel Sprat: Bleib doch mal ernst, Du Nulpe. Gib‘ mal was Sinnvolles aus Deiner grünen Schnauze.

Wembley: Ja, ja okay. Also, was ist das Problem? Facebook geht mit seinen Datenschutz- und Privatsphäreneinstellungen schlampig um. Es wird nicht deutlich wer was sieht, man kann es schwer einstellen und an die individuellen Bedürfnisse anpassen.

Kiel Sprat: Ja! Das ist die Kritik. Aber kann man nicht sagen: Jeder mündige Bürger kennt das Geschäftsmodell von Facebook und weiß, dass Daten zur Beschaffung der Kohle dienen. Also, ich nutze Facebook, zahle kein Geld, stelle aber Daten als „neue Währung“ zur Verfügung – willkommen im 21. Jahrhundert.

Wembley: Das macht aber nur Sinn, wenn bei FB auch alle genau das einstellen können, was sie möchten und die Daten in genau diesem Rahmen benutzt werden können. Das können viele aber nicht, daher muss FB nachbessern.

Kiel Sprat: Man könnte aber auch sagen, dass niemand gezwungen wird FB zu nutzen. Wer es möchte, der stellt eben seine Daten als „Entlohnung“ zur Verfügung. Wem das zu heiß ist, der nutzt es eben nicht oder sucht sich ein anderes Netzwerk.

Wembley: Sind die besser?

Kiel Sprat: Keine Ahnung, aber das Argument wäre das gleiche. Wir könnten sagen: „Hallo 21. Jahrhundert, es gibt das Internet mit sozialen Netzwerken, jeder kann es nutzen, wenn er möchte, aber er muss damit leben, dass seine Daten als Währung genutzt werden, weil keine reale Kohle fließt.“ Die anderen sagen: „Das Internet und die sozialen Netzwerke gehören zur Lebensrealität in der heutigen Zeit. Alle sollten daher Zugang zu diesen Medien haben und deshalb müssen wir aus staatlicher Perspektive dafür sorgen, dass alle den größtmöglichen Schutz erhalten“.

Wembley: Also Kommunismus vs. libertärer Freiheit? Digitaler Klassenkampf – das gefällt mir!

Kiel Spart: Jo, ich glaube das geht ein bisschen in die Richtung. Echt jetzt. Man könnte es nicht als richtig oder falsch darstellen, sondern eher als pro und contra. Es kann eine Lebenseinstellung sein, ob ich diese „Bevormundung“ möchte – entweder für Facebook durch extern aufgesetzte Regeln oder von Facebook, weil der Nutzer essen muss, was er auf den Teller bekommt.

Wembley: Hm, was ist also die Antwort?

Kiel Sprat: Kann es nicht abschließend geben, oder? Da gibt es die Teile in der Gesellschaft, die das Individuum schützen wollen, weil es selbst nicht dazu in der Lage ist und dann vielleicht die, die Post-privacy propagieren, obwohl ich mir bei letzterem nicht sicher bin, was da alles hinter steckt. Nimmt man es wörtlich und schafft die Privatheit ab, dann würde es gehen.

Wembley: Aber wie immer müssen wir den Konflikt lösen. Wir können das Problem ja nicht im Schwebezustand lassen. Irgendwie langweilt mich die Debatte. Ich nutze FB und was ich da poste kann jeder wissen. Einen potentiellen Arbeitgeber kann ich nicht verschrecken, ich hab reich geerbt, gnhihihi!

Kiel Sprat: Arsch!

Wembley: Wahrscheinlich ist es ein Prozess. In fünfzig Jahren führt kein Schwein mehr diese Debatte, weil dann alles digital geregelt ist. Voll Science Fiction, Kühlschrank, Autos, einfach alles!

Kiel Sprat: Ich will die Debatte ja auch nicht in fünfzig Jahren führen. Was aber machen wir auf dem Weg dorthin, wie verhalten wir uns?

Wembley: Tja, ich weiß das für mich. Die Politik geht, egal welcher Coleur, wohl eher den Weg, FB die Regeln zu diktieren. Also, Staat vor dem eigenständigen, mündigen Bürger.

Kiel Sprat: Bedeutet das nicht auch, dass wir nicht sehr viel Vertrauen in unsere Menschen setzen. Alles muss der Staat regeln. Wenn es um die Altersvorsorge geht, muss auch jeder sich ums sich selbst kümmern. Die Rente ist sicher, am Arsch!

Wembley: Point taken!

Kiel Sprat: Okay, das führen wir heute nicht zu Ende, mal sehen wie sich die Debatte entwickelt. Bis die Tage.

Wembley: Jo, mach’s gut!

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